Artikel aus "Rest des Lebens"

Studenten mit Ehrenamt: „Das Studium ist die beste Zeit dafür“

Nachhaltiges Arbeiten: Einige der entwickelten Ideen trugen die Jugendlichen als Delegierte später in der UN-Generalversammlung vor.

Nachhaltiges Arbeiten: Einige der entwickelten Ideen trugen die Jugendlichen als Delegierte später in der UN-Generalversammlung vor.

Gutes tun, anderen helfen und gleichzeitig den eigenen Lebenslauf aufpolieren: Viele junge Menschen übernehmen freiwillig ein Ehrenamt und sammeln dabei Erfahrungen, die sich nicht mit Credit Points belohnen lassen – trotzdem sind sie oft prägend für den späteren Beruf oder das Leben. Ich habe mich mit der Bremer Hochschul-Studentin Karolin getroffen, die sich seit fünf Jahren ehrenamtlich in einem Verein engagiert, der Jugendprojekte fördert. Die 26-Jährige hat mir erzählt, warum diese Arbeit zwar ihr Studium verzögert hat, sie aber dennoch keine Minute des Freiwilligen-Engagements bereut.

 

Steckbrief:

Name: Karolin Oesker

Alter: 26

Abi: 2007

Studium: Theaterpädagogik B.A., aktuell Kulturmanagement M.A. an der Hochschule Bremen

Meine Aufgaben: Konzeption, Moderation, Buchhaltung, Kommunikation

 

Karolin erinnert sich noch genau daran, was den Ausschlag für ihr Ehrenamt gab: Ein Freund hatte ihr von dem anstehenden 30-jährigen Jubiläum des „Alternativen Nobelpreises“ (Right Livelihood Award) erzählt, mit dem jährlich Menschen für ihr Engagement im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit ausgezeichnet werden. Was sie davon hielte, anlässlich der Veranstaltung ein begleitendes Jugendprojekt zu starten?

 

Die Studentin schnappte sich das Buch „Das sind wir unseren Kindern schuldig“ von Jakob von Uexküll und fing an zu lesen. Der Schwede hatte 1980 die Stiftung Right Livelihood Award Foundation gegründet, die den „Alternativen Nobelpreis“ verleiht. In seinem Buch plädiert er für eine nachhaltige Welt. Karolin war beeindruckt: Nachdem sie alles gelesen hatte, wusste sie, dass sie etwas tun wollte.

 

Fünf Freunde tüfteln an einem Konzept

Die 26-Jährige hatte gerade ihr Studium im Bereich Theaterpädagogik begonnen. „Ich hatte damals Zeit über und auch eine riesige Motivation“, erinnert sie sich. Um dem begleitenden Jugendprojekt einen Rahmen zu geben, gründete sie gemeinsam mit vier Freunden den Verein „Youth Future Project“: „Die Idee hinter unserem Projekt war der Generationenaustausch. Wir wollten anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des ‚Alternativen Nobelpreises‘ junge Menschen mit den bisherigen Preisträgern zusammenführen und sie so inspirieren.“ Die Stiftung „Right Livelihood Award Foundation“ war sofort begeistert von dem Engagement der Studenten.

Es war gar nicht so einfach, alle Vereinsmitglieder unter einen Hut zu kriegen: „Wir waren praktisch in ganz Deutschland verteilt. Da wir uns nur einmal im Monat treffen konnten, brauchten wir eine klare Aufgabenverteilung.“ Anderthalb Jahre tüftelten die fünf Freunde an einem Konzept, akquirierten Unterstützer und suchten interessierte Jugendliche. 2010 war es soweit: Zu dem 30-jährigen Jubiläum des „Alternativen Nobelpreises“ in Bonn kamen rund 75 Preisträger aus drei Jahrzehnten sowie etwa 100 Jugendliche aus Deutschland, Europa und sogar Indien.

 

Anpacken statt bloße Theorie

Während der einwöchigen Tagung organisierte Karolin gemeinsam mit den anderen aus ihrem Verein Workshops zu verschiedenen Themen aus den Bereichen humanitäre Hilfe, Klima und Ökologie. Die Arbeit der Studenten stieß nicht nur bei den Jugendlichen auf Begeisterung, auch die Stiftung war von der Zusammenführung so angetan, dass „Youth Future Project“ auch 2012 und 2013 anlässlich der Preisvergabe die begleitenden Workshops  organisieren durfte.

 

Karolin hat seit ihrem Ehrenamt viel über sich gelernt: „Während ich im Studium viel Theorie gelernt habe, durfte ich bei unserem Verein einfach anpacken. Und ich durfte Fehler machen, auch das war wichtig.“ Heute weiß sie, wie sie einen vollen Tag strukturiert, andere Leute für Ideen begeistert und ein Konzept vom Papier in die Realität bringt. Und noch ein entscheidender Aspekt hat sie auf das Berufsleben vorbereitet: „Man lernt die verschiedenen Arbeitsweisen und Bedürfnisse einer Gruppe kennen, das hat mich geprägt.“

 

„Würde es wieder so machen“

Während ihrer Zeit im Vereinsvorstand hat Karolin rund 20 Stunden pro Woche in das Ehrenamt investiert – eine ganze Menge. Sie gibt zu: „Hinterher ist es viel mehr geworden als gedacht und dadurch habe ich auch länger studiert. Dennoch würde ich es wieder so machen – das Studium ist einfach die beste Zeit für so eine Erfahrung.“ Mittlerweile hat die Studentin ihren Vereinsvorsitz abgegeben und überlegt, sich mit einem ähnlichen Konzept selbstständig zu machen.

 

 

Übrigens: Der Verein „Youth Future Project“ (www.youthfutureproject.org) ist immer auf der Suche nach Nachwuchs. Wer also Interesse an einer Beteiligung hat, darf sich gerne bei den Mitgliedern melden.

 

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Letztes Update: 9. April 2014

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