Artikel aus "Rest des Lebens"

Reingeschaut Teil 4: Die unkonventionelle WG

Mein letzter Besuch führt mich zurück in die Bremer Neustadt, wo ich mit Daniel und Moritz verabredet bin. Die beiden hatten sich nur unter der Bedingung auf einen Besuch eingelassen, wenn ich anschließend mit ihnen „Schocken“ spielte. Ich ahne schon auf dem Weg, was dahinter steckt. Als ich die Treppe hochgehe, habe ich kurz das Gefühl an Gleichgewichtsstörungen zu leiden. Tatsächlich ist das Haus schief, und wie!

 

Als mir die beiden die Tür aufmachen, grinsen sie: „Du wirst um das Spiel nicht drum herum kommen.“ Hatte ich ja schon geahnt. Aber jetzt wollte ich erst einmal die Räumlichkeiten sehen. Die Einrichtung der beiden Jungszimmer ist schnell zusammengefasst: Bett, Schrank, großer Monitor. Mein Highlight ist das Schlagzeug im Wohnzimmer. Und nicht zu vergessen: der Darth Vader-Helm auf der Fensterbank.

Die 70 Quadratmeter der Altbauwohnung sind mit schönen Holzdielen ausgelegt – ich lege eine Murmel an das eine Ende des Flurs, er rollt von alleine ans andere Ende. Die Wohnung ist also wirklich schief.

 

„Geputzt wird, wenn es dreckig ist“ – Klappe, die Zweite

Ich bin irgendwie beruhigt, dass in dieser WG nicht jede Ecke glänzt und endlich mal Krimskrams herumliegt. Was das Putzen angeht, sind Daniel und Moritz auch ganz unkonventionell: „Wir putzen, wenn es dreckig ist.“ Moment mal, das hatte ich doch schon in der ersten Wohnung gehört.

 

Die Toleranzgrenzen scheinen allerdings sehr unterschiedlich zu sein, wenn ich an die andere Männer-WG zurückdenke. Aber die beiden Studenten scheinen auch in diesem Fall dieselbe Einschätzung zu teilen. „Wenn ich es dreckig finde, sage ich Daniel Bescheid – dann machen wir gemeinsam sauber“, verrät Moritz. Auch eingekauft wird zusammen, getrennte Kühlschrankfächer kennen die beiden nicht. Einen Luxus haben sich die beiden allerdings gegönnt: eine Spülmaschine.

 

Bier und Würfel

Daniel, der Digitale Medien studiert, wohnt schon seit 2007 in der Neustädter Wohnung. Moritz ist bereits sein vierter Mitbewohner, der allerdings nur bis September zur Zwischenmiete in Bremen bleibt. Beide kennen sich schon länger von verschiedenen Festivals und machen auch privat viel zusammen.

Der Biervorrat und die Pfandsammlung in der Küche verraten mir, dass ich endlich auf eine „Party-WG“ getroffen bin. „Seit Moritz hier wohnt, ist auch immer Bier da“, grinst Daniel. Und dann ist es wohl soweit: Ich muss „Schocken“ spielen. Es geht um Würfeln und Bier. Ich verstehe das Spiel nicht und Bier mag ich auch nicht. Aber wann ich zuhause war, behalte ich trotzdem lieber für mich.

 

Fotos: Rike Oehlerking

 

Und hier findet Ihr alle anderen WGs aus unserer Serie:

Leevke, Laurene und Pana stellen uns ihre Sechser-WG vor

Mathias und Niclas in der minimalistischen WG und

Nina und Jennie aus der luxuriösen WG

Letztes Update: 12. April 2013

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