Artikel aus "Rest des Lebens"

Reingeschaut Teil 3: Die XXL-WG

Nett ist es hier, denke ich, während ich mit meinem Fahrrad durch das Gete-Viertel fahre. Die Häuser sind hübsch, die Gärten gepflegt und es gibt ein paar nette Kneipen. Die 6er-WG, mit der ich verabredet bin, liegt direkt über dem Nachbarschafts-Restaurant „Rote Nase“. Sechs Leute – wie machen die das nur mit dem Bad, frage ich mich in Hinblick auf meine eigene WG-Zeit.

 

An der Tür begrüßt mich Leevke, die in Oldenburg ihren Master in Sonderpädagogik macht. Die 24-Jährige führt mich nach oben, wo schon Mitbewohnerin Laurene in der Küche wartet. Heute ist WG-Abend und die beiden Mädels haben Essen gezaubert. Die Küche ist gemütlich, aber klein. Ganz schön eng, wenn hier sechs Leute kochen wollen – am besten noch gleichzeitig. „Das geht schon alles“, winkt Leevke ab.

Rauchen als Ausschlusskriterium

Laurene ist das Küken in der Gete-WG und kommt eigentlich aus Frankreich. Für die 19-Jährige war von Anfang an klar, dass alleine wohnen für sie nicht infrage kommt: „Ich wollte Kontakte knüpfen. Außerdem wollte ich Deutsche kennenlernen, um so die Sprache besser sprechen zu können.“

 

Beide empfinden das Zusammenleben nicht als reine Zweck-WG. „Wir wohnen, essen und feiern super gerne zusammen. Aber es ist auch keiner böse, wenn man hier mal die Tür zumacht“, erzählt Leevke, die in Schweden schon einmal in einer 13er-WG gewohnt hat. „Bei sechs Leuten gibt es immer mal wieder einen Wechsel, das finde ich spannend.“ Auf anstehende WG-Castings freuen sie sich deshalb auch. Dabei gibt es ein eindeutiges Ausschlusskriterium: Raucher, die nicht vor die Tür gehen wollen.

 

Sieben Zimmer, eine Küche, zwei Badezimmer, zwei separate Toiletten sowie ein Garten verteilen sich hier auf zwei Ebenen. Außerdem hat jeder seine eigene Klingel an der Tür und einen Briefkasten für sich alleine. Dadurch, dass es kein gemeinsames Wohnzimmer gibt, ist die Küche der Mittelpunkt der WG. Jeden Montag kommen alle zum Kochen, Essen und Quatschen zusammen. In dem großen Holzregal neben dem Kühlschrank hat jeder sein eigenes Fach, alle sind bis oben hin mit Obst, Reis und Konservendosen gefüllt.

Eier! Wir brauchen Eier!

Große Fans von konventionellen Regeln sind alle sechs Bewohner nicht. Aber sie wissen auch: Das Putzen erledigt sich nicht von alleine. Deshalb hängt in der Küche die sogenannte „Putzuhr“, die anzeigt, wen welche Aufgabe erwartet. Ich bin erstaunt, wie wenig Geschirr rumsteht, obwohl es keine Spülmaschine gibt. Wenn ich an meine WG-Zeit zurückdenke – dort sah es schon wie ein Schlachtfeld aus, wenn zwei Leute gekocht hatten.

 

Zwischenzeitlich ist auch Pana eingetroffen, der schon seit drei Jahren in der Gete-WG wohnt und damit zusammen mit Bewohner Aljoscha zu den Alteingesessenen gehört. Für eine 6er-WG ist es an der Gete wirklich ziemlich ordentlich. Nur die vielen Wäscheständer auf den Fluren fallen mir auf. „Das ist noch gar nichts – was meinst du, wie es hier aussieht, wenn alle Waschtag haben“, meint Pana. Ich finde die zwei Etagen der WG richtig gemütlich. Überall hängen Plakate, Fotos oder lustige Sprüche, alles ist sehr persönlich.

 

Was darf denn bei euch nie fehlen? Klare Antwort der beiden Mädels: Eier! „Sonst drehe ich sonntags durch“, warnt mich Laurene. Klar, Eier kann man ja auch immer gebrauchen. Überhaupt finden es beide schön, dass man hier immer etwas Brauchbares zum Essen findet. Ich schiele auf die köstliche Ananas und bin neidisch, weil ich so etwas nie zuhause habe. Aber ich habe eben auch keine Mitbewohner.

Fotos: Rike Oehlerking

 

Hier geht’s zu den beiden ersten Teilen der Serie:

Mathias und Niclas in der minimalistischen WG und

Nina und Jennie aus der luxuriösen WG

 

Letztes Update: 2. April 2013

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