Artikel aus "Rest des Lebens"

Reingeschaut: Bremer WGs

Meine WG-Zeit liegt schon ein paar Jahre zurück. Ich teilte mir mit drei anderen Mädels über mehrere Jahre ein Badezimmer, was erstaunlich gut ging. Es war schön, dass immer jemand im Wohnzimmer saß und man häufig noch unerwartet auf einer Party landete, obwohl man schon im Schlafanzug war.

Geht es anderen auch so? Sind WGs die ideale Lebensform für Studierende? Vier Bremer Wohngemeinschaften haben mir ihre Türen geöffnet und mit mir über Sauberkeit, Privatsphäre, WG-Castings und den besonderen Wert von Pfandflaschen gesprochen.

 

Die Küche von Niclas und Mathias hat die richtige Würze

 

Teil 1: Die minimalistische WG

Bremer Altbauhäuser sind kein Segen für große Menschen: Jedes Mal, wenn Niclas durch die Tür geht, muss er seinen Kopf einziehen. Ich kenne solche Probleme mit meinen 1,65 Meter nicht, staune aber, wie routiniert er das macht.

Mathias und Niclas wohnen seit Februar in der Neustädter Rolandstraße. Rund 45 Quadratmeter stehen den beiden zur Verfügung, die mir gleich am Anfang verdächtig aufgeräumt vorkommen. Vielleicht hätte ich einfach überraschend vor der Tür stehen sollen. „Nee, das sieht hier wirklich immer so aus“, versichern sie mir.

Viel Raum haben die beiden HfK-Studenten nicht, dafür ist alles an seinem Platz. Ich bewundere die kreative Konstruktion des Duschvorhangs, bei der die Bremer aufgrund der Schräge ein wenig improvisieren mussten. Ein gemeinsames Wohnzimmer oder einen Balkon haben sie nicht. Neben ihren eigenen Zimmern gibt es aber immerhin eine Wohnküche, in der wir dann Platz finden.

 

„Geputzt wird, wenn es dreckig ist“

Eigentlich waren die Studenten für Digitale Medien auf der Suche nach einer 3er-WG. Fündig sind sie leider nicht geworden. „Ist aber in Ordnung, so haben wir weniger Probleme im Bad“, findet Mathias. Der 24-Jährige hatte die Wohnung in der Rolandstraße auf www.bremen.de entdeckt. Erst Anfang des Jahres hatte er im „Hotel Mama“ ausgecheckt, alleine wohnen wollte er aber nicht. Niclas (21), der schon mal eine eigene Wohnung hatte, versteht das: „Das ist ganz schön öde.“

Die Zimmer der Neustädter sind so eingerichtet, wie man es aus vielen WGs kennt: Schlafen, essen und arbeiten auf engstem Raum, dazu liebevolle Details, die dem Ganzen Persönlichkeit verleihen. Das ist bei Mathias zum Beispiel die Gitarre an der Wand: Seit 2008 ist er Sänger und Gitarrist der Indie-Pop-Band „Three Yard Foxes“. Niclas hat anscheinend einen grünen Daumen: Auf seiner Fensterbank wächst eine kleine Kräutersammlung zu einer beachtlichen Größe heran.

So Jungs, und jetzt mal Butter bei die Fische: Wieso sieht es hier so ordentlich aus? „Ich achte aus Rücksicht auf Mathias darauf, meine Sachen wegzuräumen. Würde ich alleine wohnen, wäre es chaotisch“, gibt Niclas zu. Und wie oft wird zum Putzlappen gegriffen? „Geputzt wird, wenn es dreckig ist“, erzählt Mathias. Macht Sinn, kann aber auch ganz schön nach hinten losgehen. Offenbar sind sich die beiden da jedoch einig: Einmal die Woche werden Küche und Bad geschrubbt. Beim Abwasch wird fair abgewechselt.

 

Der besondere Wert von Pfandflaschen

Beim Einkaufen ist jeder für seinen Kram verantwortlich, nur Toilettenpapier, Zwiebeln, Kartoffeln und Gewürze werden zusammen eingekauft. Eine Haushaltskasse brauchen die Studenten nicht: „Wir bringen dann einfach unseren Pfand weg, das hat bisher immer gereicht“, schmunzeln die Jungs.

Eine Sache muss die Männer-WG übrigens immer da haben: Kaffee! „Wenn der ausgeht, geht hier nichts mehr. Und arbeiten schon gar nicht.“

 

Fotos: Rike Oehlerking

Letztes Update: 22. November 2012

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