Artikel aus "Rest des Lebens"

Praxissemester im Ausland: Zwischen Safari und Großbaustelle

Nach sechs Monaten in Tansania kann der 27-Jährige sogar ein paar Sätze Swahili sprechen.

Nach sechs Monaten in Tansania kann der 27-Jährige sogar ein paar Sätze Swahili sprechen.

Wer an Tansania denkt, verbindet damit wahrscheinlich den Kilimandscharo, Sansibar oder eine Afrika-Safari. Aber ein Praxissemester auf der Baustelle in Ostafrika? Bauingenieurwesen-Student Thorben hat mir erzählt, warum er sich für eine Bewerbung am anderen Ende der Welt entschieden hat und wie man reagiert, wenn plötzlich eine Riesen-Spinne durch das Camp krabbelt.

 

Steckbrief:
Name: Thorben Müggenburg
Wohnort: Bremen
Alter: 27
Abitur: Sommer 2006
Studium: Bauingenieurwesen, 6. Semester an der Hochschule Bremen
Praxissemester: Juli bis Dezember 2013 in Tansania

 

Ein Praxissemester im Ausland ist für viele Studenten die Gelegenheit, in fremde Kulturen einzutauchen, Praxiserfahrung zu sammeln und nebenbei die Sprachkenntnisse aufzubessern. Auch Thorben entschied sich im Rahmen seines Studiums an der Hochschule für ein Praktikum außerhalb seiner Heimat. Doch wie kommt man ausgerechnet auf Tansania? „Ich habe das Abenteuer gesucht“, gibt er zu. Die Ausschreibung eines deutschen Bauunternehmens fand er auf einem Onlineportal und war sofort begeistert: „Ich wollte gerne ins Ausland und die Beschreibungen zu Job und Land klangen unheimlich toll, es passte einfach alles.“

 

12-Stunden-Tage und viel Verantwortung

Also schrieb der 27-Jährige eine Bewerbung und wurde zum Gespräch eingeladen. Nachdem die Formalitäten geklärt waren, ging alles relativ schnell: Die Baufirma kümmerte sich um Visum, Versicherung und Flug – und ein paar Wochen später saß der Student auch schon im Flieger nach Dar es Salaam.   In Tansania angekommen, durfte Thorben gleich loslegen: „Ich konnte mir aussuchen, ob ich lieber Tätigkeiten im Büro oder auf der Baustelle übernehmen möchte.“ Der Student entschied sich für die Leitung vor Ort, fuhr über die Baustelle, kontrollierte Abläufe oder plante Straßensperren. „Ich durfte von vornherein sehr viel machen, hatte aber auch gleich Verantwortung für viele Bereiche – auf der Baustelle war praktisch immer was los“, erzählt Thorben. Und auch die Arbeitszeiten hatten es in sich: Montag bis Samstag, jeweils 12 Stunden musste mit angepackt werden. Die Abende verbrachte der Student gemeinsam mit etwa 20 Europäern meist im Camp, in dem sie auch schliefen, und das eine eigene Bar besaß.

Achtung, giftig!

Die wenigen freien Tage nutzte Thorben für Ausflüge ans Meer oder eine Safari in Tansanias artenreiche Tierwelt. Dass einem diese manchmal näher kommt, als einem lieb ist, merkten die Campbewohner schnell: Schlangen, Spinnen und sogar kleine Hausaffen überraschten die Praxissemestler in ihren Unterkünften. „Eine gesunde Portion Respekt ist gerade bei Schlangen und Spinnen auf jeden Fall angebracht – auf den ersten Blick weiß man nie, welche giftig sind.“   Nicht nur an Tansanias Fauna gewöhnte sich Thorben schnell, auch mit der Einheimischen-Sprache Swahili machte sich der Bremer vertraut – mittlerweile kann er sogar ein paar Sätze sprechen. Doch nicht alle im Camp machten sich die Mühe, ein Verhältnis zu den Bewohnern aufzubauen.   „Während manche von uns den Arbeitern dort wirklich etwas beibringen wollten, wurden sie von anderen sehr herablassend behandelt“, erinnert sich Thorben. „Das fand ich irgendwann sehr anstrengend. Einige haben ihr Praxissemester deswegen vorzeitig abgebrochen.“   Insgesamt hat er die Stimmung in der Gruppe aber sehr positiv in Erinnerung: „Ich habe viele Kontakte geknüpft, die mir den Jobeinstieg nach dem Studium vielleicht etwas erleichtern können“, so der Bremer.

 

„Plötzlich findet man Mülltrennung komisch“

Für den 27-Jährigen vergingen die sechs Monate in Tansania wie im Flug. Zurück in Deutschland musste er sich an Vieles wieder neu gewöhnen, was für ihn vorher selbstverständlich war. „Auf einmal findet man Dinge wie Mülltrennung ganz komisch. So etwas gibt es in Afrika nicht.“   Die Zeit am anderen Ende der Welt hat Thorben gelassener gemacht. „Eine ganz andere Kultur und Arbeitsweise kennenzulernen, lässt einen vieles hinterher mit anderen Augen sehen. In Deutschland würde man vielleicht mehr lernen im Praxissemester, aber die direkte Nähe zum Projekt im Ausland ist ein Riesenvorteil. Und dass man einfach direkt mit anpacken muss, hat mich ziemlich gut auf die Zeit nach dem Studium vorbereitet.“

 

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Letztes Update: 1. April 2014

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