Artikel aus "Studium"

Nordlichter, Kälte und eine Hippie-Kommune: Auslandssemester in Schweden

Alessa hat die Zeit in Schweden gut getan. Es ist für sie das Land der Entschleunigung.

Alessa hat die Zeit in Schweden gut getan. Es ist für sie das Land der Entschleunigung.

Neues Land, neues Leben: Mit einem Auslandssemester können Studierende in fremde Kulturen eintauchen, interessante Menschen kennenlernen und Punkte sammeln – sowohl akademisch als auch persönlich. Die Bremer Politikmanagement-Studentin Alessa hat sich für einen Aufenthalt im schwedischen Växjö entschieden und mir erzählt, welchen Vorteil Blockvorlesungen haben und wie man sich bei -18 Grad gegen die skandinavische Kälte wappnet.

 

Die meisten kennen Schweden aus ihrer Kindheit: Es ist das Land von Michel, Nils Holgersson und Pippi Langstrumpf – und steht für endlose Wälder, gemütliche Kleinstädte und unberührte Gewässer. Die skandinavischen Länder sind für ein Semester im Ausland äußerst beliebt: Grund dafür ist neben dem gut ausgebauten Hochschulsystem besonders die atemberaubende Landschaft, die auch Alessa in bester Erinnerung hat.

 

„Im Sommer ist es manchmal nur zwei Stunden dunkel“

Als sich die 25-Jährige im Januar 2013 auf den Weg ins südschwedische Växjö macht, wird sie von klirrender Kälte empfangen: Das Thermometer zeigt -18 Grad. „Zwei Mützen übereinander helfen“, schmunzelt die Studentin. „Die Kälte in Schweden ist allerdings wesentlich trockener als in Deutschland und lässt sich besser aushalten.“

 

Trotzdem war die Umstellung für Alessa anfangs hart, die viele Dunkelheit im Winter machte sie müde und die Sehnsucht nach dem Frühling war groß. „Dafür sind die Menschen bei warmen Temperaturen umso aktiver. Im Sommer ist es manchmal nur zwei Stunden dunkel, da kommt man auch mit wenig Schlaf aus.“

 

Alessa studiert im sechsten Semester Politikmanagement an der Hochschule in Bremen, ihr Auslandssemester war Pflicht. Da sich die 25-Jährige besonders für Konflikttheorien, verschiedene Staatsformen und Menschenrechte interessiert, wählte sie den Studiengang „Peace and Development Studies“ an der Linnaeus University in Växjö. Hilfreich fand sie dort die Blockvorlesungen, in denen ein Kurs etwa fünf Wochen dauerte. „So kann man sich wirklich auf ein bestimmtes Thema fokussieren.“

Volles Programm für die „Incomings“

In Växjö gab es eine spezielle Studierendenvereinigung für sogenannte „Incomings“: Ortskundige Studierende organisierten Reisen nach Stockholm oder Göteborg, Partys und Kulturangebote für die Neuankömmlinge. „Schweden hat ein wirklich gutes Programm für ausländische Studenten. Ich bekam einen iranischen Kommilitonen an die Seite gestellt, der mich vom Bahnhof abholte und mir die Umgebung zeigte – das hat mir den Einstieg leicht gemacht“, berichtet Alessa.

 

So bekam sie im Rahmen des Erasmus-Programms auch ein Zimmer in einem der Wohnheime gestellt, in denen fast 500 internationalen Studenten lebten – die meisten von ihnen kamen aus Deutschland und Südkorea. Gerne wäre sie in dem 60.000-Einwohner-Ort Växjö mehr in Kontakt mit Schweden gekommen, dieser blieb jedoch eher oberflächlich. „Letztlich spielt sich privat und in der Uni fast alles in dem Erasmus-Leben ab, das ist manchmal etwas schade.“

 

Eine Hippie-Kommune mitten im Nirgendwo

Umso schöner fand Alessa die unberührte Natur und Erholung: Wandern an endlosen Seen, Nordlichter in Lappland beobachten und den Arktischen Ozean bestaunen. „Landschaftlich ist Schweden wahnsinnig beeindruckend“, erinnert sich die Studentin gerne zurück. Als sie in den Sommermonaten alleine wandern war, begegnete sie einer Hippie-Kommune, die sich dort niedergelassen hatte und eine selbstgezimmerte Blockhütte mit Sauna besaß. „Das war schon witzig: So mitten im Nirgendwo und plötzlich taucht eine ganze Gruppe auf. Die waren so nett, dass wir den Abend miteinander verbracht haben und ich dort übernachtet habe.“

 

Alessa hat die Zeit in Schweden gut getan: „Es ist für mich das Land der Entschleunigung. Die Schweden nehmen sich Zeit für Pausen und lassen sich nicht so hetzen.“ Vieles dauere dadurch länger, aber das sei es absolut wert, findet die 25-Jährige. „Die Schlange im Supermarkt kann noch so lang sein, der Verkäufer findet immer Zeit, mit den Kunden über das Wetter zu plaudern.“

 

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Letztes Update: 29. April 2014

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