Artikel aus "Rest des Lebens"

Morgen ist ja auch noch ein Tag

Morgen ist auch noch ein Tag

Ein kleines Nickerchen zwischendurch soll ja die Leistungsfähigkeit erhöhen.

Wer kennt es nicht? Da ist man endlich mal gut aus dem Bett gekommen, hat tatsächlich nur dreimal die Snooze-Taste vom Wecker betätigt und startet richtig gut in den Tag. Soweit beruhigend, denn für heute hat man sich vorgenommen, endlich mit der Hausarbeit anzufangen, die in drei Wochen abgegeben werden muss. Schließlich muss man für die geplante Karriere ja auch Einsatz zeigen. Und heute stehen keine Termine an, die einen davon abhalten könnten.

Erstmal putzen

Aber dann fällt einem nach dem Frühstück ein, dass die Küche und vielleicht auch das Bad mal sauber gemacht werden müssten. Die Mitbewohner haben einen in den letzten Tagen ja auch schon mit bösen Blicken bestraft. Also noch schnell vorm Start am Schreibtisch den Putzlappen schwingen.

Eine Stunde später blitzt alles und man hat immer noch fast den ganzen Tag vor sich. Herrlich. Jetzt also ab an die Bücher.

Weil die Lektüre nicht gerade die einfachste ist, vorsichtshalber schon mal den PC hochfahren und den Internetbrowser öffnen, um möglichst schnell die Bedeutung des ein oder anderen Fremdwortes herausfinden zu können. Ein Hoch auf das Internet.

Apropos! Wo man schon mal online ist, kann man ja auch mal eben gucken, was das Emailpostfach macht. Drei neue Emails. Die noch schnell beantworten und parallel nur einen kurzen Blick auf Facebook werfen. Da wurde schon gepostet, dass heute Abend ein kleiner Umtrunk bei Freunden geplant ist. Wie schön, dann hat man wenigstens was, auf das man sich während des Lernens freuen kann.

Es heißt ja immer, dass man in harten Arbeitsphasen sein Umfeld so gut wie möglich gestalten soll. Also ab in die frisch geputzte Küche und noch schnell einen Kaffee machen.

Soziales muss aber auch sein

Ein Mitbewohner sitzt gerade beim Frühstück. Mit dem hat man sich auch schon länger nicht mehr unterhalten. Nettes Gespräch und dann aber wieder an den Schreibtisch. Während des Lesens des ersten Absatzes fängt dann auf einmal der Magen an zu knurren. Es ist inzwischen Mittagszeit. Leider stellt sich heraus, dass der Kühlschrank mindestens genauso leer ist wie der Magen. Ein Gang in den Supermarkt ist unumgänglich und weil nicht nur das Essen rar ist, sondern auch das Geld, sammelt man noch eben alle Pfandflaschen in der Wohnung ein, die man finden kann.

Bepackt mit Tüten voller Leergut geht’s also zum Supermarkt. Auf dem Weg dahin kann man sich ja schon mal Gedanken über die Struktur der Hausarbeit machen. Gesagt, getan.

Voller Tatendrang kehrt man nach Einkauf und Mittagsmahl mit gefülltem Magen zurück an den Schreibtisch. Jetzt geht es endlich los. Buch auf und Nase rein. Aber da klingelt das Telefon. Kaum hat man gleich nach dem Abheben gesagt, dass man eigentlich lernen muss, ist auch schon eine Stunde rum und das Gespräch immer noch nicht beendet. Es gibt aber auch so viel zu besprechen mit der guten Freundin.

Legitimes Aufräumen

Nach dem Auflegen stellt man fest, dass sich aus unerfindlichen Gründen den Tag über der Schreibtisch wie von allein zu einem Schlachtfeld entwickelt hat. Zettel, Bücher, Geschirr stapeln sich kreuz und quer. So kann doch keiner arbeiten! Also das Chaos erstmal beseitigen. Und wenn man schon mal dabei ist, kann man auch endlich die ganzen Uni-Unterlagen aus den letzten Semestern abheften und ordentlich wegsortieren.

Das Aufräumen lässt sich auch mit dem Resultat legitimieren, dass dadurch alle aktuell benötigten Lernmaterialien strukturiert auf dem Tisch aufgebahrt werden. Ein gutes Gefühl, um danach endlich mit dem Lesen zu beginnen. Nur verrät dann leider am Ende der Chaosbeseitigung ein Blick auf die Uhr, dass man nun noch gerade Zeit hat, was zu essen, zu duschen und dann zum verabredeten Treffpunkt mit den Freunden zu gelangen.

Viel geschafft?

Naja, dafür haben sich die Wohnung und vor allem der Schreibtisch fast von allein aufgeräumt. Wenn man jetzt noch einen Weg finden würde, dass sich die Hausarbeit von selbst … Ähm, nunja, oder man nimmt sich eben ganz fest vor, morgen endlich damit anzufangen.

P.S.: Für das Verfassen dieses Textes hat sich die Autorin einem Selbstversuch unterzogen. Es ist ein Wunder, dass sie schließlich doch noch etwas geschrieben hat – war sie doch die meiste Zeit damit beschäftigt, sich mit vermeintlich wichtigeren Dingen abzulenken.

Noch ein Youtube-Link zum Ablenken

Foto oben: Star5112

Letztes Update: 23. April 2012

Weitersagen!