Artikel aus "Campus"

Maximale Geschwindigkeit, minimaler CO2-Fußabdruck: umweltschonender Motorsport

Umweltschonend, aber schnell: Max, Lambert und Sebastian vom "Bremergy Racing"-Team mit ihrem eigens konstruierten Rennwagen, dem "BreMo13". Im September wird Fahrer Stas in Italien bei der Formula Student Electric damit an den Start gehen.

Umweltschonend, aber schnell: Max, Lambert und Sebastian vom „Bremergy Racing“-Team mit ihrem eigens konstruierten Rennwagen, dem „BreMo13“. Im September wird Fahrer Stas in Italien bei der Formula Student Electric damit an den Start gehen.

Einen eigenen Rennwagen entwerfen – das klingt nach einem lang gehegten Kindheitstraum. Ein 35-köpfiges Studententeam aus Hochschule und Uni haben ihn sich erfüllt: Sie konzipierten ein Fahrzeug, das ohne fossile Brennstoffe auskommt und besonders rohstoffschonend gebaut wurde. Mit dem fertigen Rennwagen nehmen sie diesen Monat an der Formula Student Electric in Italien teil – einer der größten Nachwuchswettbewerbe in Europa.

 

Als ich Lambert, Stas und Sebastian an der Uni Bremen zum Gespräch treffe, haben sie schon ein paar Nächte durchgearbeitet. Sie sehen müde, aber zufrieden aus. Die Studenten des „Bremergy Racing“-Team tüfteln seit mehr als zwei Jahren an einem Elektro-Rennauto, mit dem sie zwischen dem 12. und 17. September in Varano de‘ Melegari an einem Konstruktionswettbewerb teilnehmen wollen. Fast fertig ist der „BreMo13“, wie die Motorsport begeisterten Bremer ihr Fahrzeug getauft haben.

 

„Alle waren sofort angefixt“

 

Als Teamchef Frank Deblon 2011 ein anderes Elektro-Racing-Team kennenlernte und die Idee nach Bremen brachte, verbreitete sie sich schnell. „Alle waren sofort angefixt und mit Herzblut dabei“, erinnert sich der 20-jährige Lambert. „Einen eigenen Rennwagen zu bauen, damit erfüllen sich viele einen echten Kindheitstraum.“

 

In Italien will sich das interdisziplinäre Studententeam gegen die Konkurrenz aus der ganzen Welt durchsetzen. Dabei geht es nicht nur um den Erfolg auf der Rennpiste: Entscheidend für den Gesamtsieg sind neben Konstruktion und technischem Wissen auch Organisationstalent, Fähigkeiten im Projektmanagement, eine gute Marketingstrategie und möglichst geringe Baukosten. „Die Königsdisziplin besteht dabei aus einem Ausdauerrennen, das über 22 Kilometer geht“, erzählt Lambert. Dabei sei in den vergangenen Wettbewerben gerade einmal die Hälfte der Elektrowagen überhaupt im Ziel angekommen.

 

„Beim nächsten Mal wird es leichter“

 

Lambert studiert an der Uni Bremen Wirtschaftsingenieurwesen und hat sich gemeinsam mit einem Team über mehrere Monate um geeignete Sponsoren gekümmert. „Am Anfang war das gar nicht so einfach, schließlich gab es nur einen Entwurf am Computer. Vielen denken dabei an eine Seifenkiste, dabei ist es ein richtiger Rennwagen“, sagt er.

 

Die Sponsoren-Gruppe musste viel telefonieren, dann hatte sie einen echten Glücksgriff: Das „Bremergy Racing“-Team konnte den Automobilhersteller VW als Premium-Partner gewinnen. „Danach war es fast ein Selbstläufer“, erinnern sich die Studenten.

 

Die Sponsoren stellten ihnen sowohl finanzielle Mittel zur Verfügung als auch Material in Form von Bauteilen. Know-how bekamen sie unter anderem vom Bionik-Lehrstuhl der Hochschule Bremen. „Beim nächsten Mal wird es vermutlich leichter Sponsoren zu gewinnen, denn nun haben wir ein reelles Fahrzeug, das wir vorstellen und zeigen können“, ist Lambert optimistisch.

 

Rohstoffschonend, aber schnell

 

Das Besondere an „BreMo13“ ist der Nachhaltigkeitsaspekt: „Mit unserem Fahrzeugkonzept wollen wir den CO2-Fußabdruck reduzieren – und zwar über den gesamten Produktionszyklus hinweg“, erklären mir die Studierenden. „Das geschieht zum einen durch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe und wiederverwerteter Materialien. So besteht die Außenhaut beispielsweise aus Naturfasern und ist zu 80 Prozent recycelbar“, berichtet Lambert.

 

Den Studenten geht es aber auch um die Entwicklung von klimafreundlichen Antrieben. „Elektrotechnik ist der Antrieb des 21. Jahrhunderts“, meint Lambert. Und die hat einiges auf dem Kasten: Etwa 100 Stundenkilometer kann der 200 Kilo schwere Rennwagen zurücklegen.

 

„Wir können mit unserem Projekt Erfahrungen in komplexer Batteriesystemtechnik, effizienter Ansteuerung von Elektromotoren und sicherheitskritischer Überwachung von Fahrzeugen lernen“, berichtet das Team. Der Plan: Jedes Jahr soll ein neues Auto entstehen, mit dem sie an einem Rennevent teilnehmen wollen. Damit möchten sie ihren ganz eigenen Beitrag für eine rohstoff- und umweltschonende Mobilität leisten.

Letztes Update: 2. September 2013

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