Artikel aus "Rest des Lebens"

Kreativ werden in der Schnapsfabrik

Die ersten Mieter der Alten Schnapsfabrik. Foto: Nordpool Schnapsfabrik

Die ersten Mieter der Alten Schnapsfabrik. Foto: Nordpool Schnapsfabrik

Den Legenden nach sind viele erfolgreiche Geschäftsideen in der Kneipe geboren worden – der erste Businessplan entstand auf einem Bierdeckel oder einer Serviette. Das neue Bremer Kreativzentrum, die „Alte Schnapsfabrik“, hört sich zunächst nach einer Steigerung dieses Konzepts an – nach dem Motto: mehr Alkohol bringt mehr Ideen.

 

Die Realität ist allerdings etwas nüchterner. In der Alten Schnapsfabrik, die an der Kleinen Weser in der Neustadt liegt, wird schon seit langer Zeit nichts Hochprozentiges mehr destilliert. Stattdessen wurde das traditionsreiche Gebäude 2009 zum „Beluga College“ umgebaut, einem privaten beruflichen Gymnasium, das von der Beluga-Reederei unterstützt wurde und wenig später gemeinsam mit dem Unternehmen unterging.

 

In der Folge warfen drei Kreativunternehmer ihre Augen auf den attraktiven, zentrumsnahen Firmensitz am Wasser. „Wir haben gesagt, wir wollen die Synergien, die wir abends und in der Freizeit nutzen, an einem Ort zusammenführen“, berichtet Majo Ussat, Initiator des Projekts „Alte Schnapsfabrik“ und Inhaber der Agentur Jokmok. Parallel zu seinen Mitstreitern aus den Firmen Urbanscreen und Selling Spot Studios sprach er seinen Freundeskreis mit der Idee an. „Innerhalb von einem Monat hatten wir zwei Drittel des Gebäudes belegt“, berichtet er. Das war im Dezember 2011.

 

Mieter entwickelten eigenes Konzept für das Gebäude

 

Der Gebäudeverwalter, die Justus Grosse Projektentwicklung GmbH, gab den Interessenten die nötige Zeit, um ein eigenes Konzept auszuloten und das Haus programmatisch zu entwickeln. Es hat funktioniert: 14 handverlesene Unternehmen lasten die insgesamt 3200 Quadratmeter Fläche mittlerweile fast vollständig aus.

 

Dabei koexistieren sie nicht nur, sondern betreiben auch eine eigene Event-Fläche und bieten sogenannte „Co-working“-Arbeitsplätze an: Junge Freiberufler können temporär freie Schreibtische bei den etablierten Unternehmen anmieten, um Kontakte zu knüpfen und um Zugriff auf deren Infrastruktur zu bekommen. Geplant ist auch, im Erdgeschoss ein kleines Café einzurichten, das zu einem kommunikativen Zentrum der Branche werden soll.

 

70 Kreative unter einem Dach

Majo Ussat, Initiator der Schnapsfabrik (links), mit einem Kreativen. Foto: H. Schwörer

Majo Ussat, Initiator der Schnapsfabrik (links), mit einem Kreativen. Foto: H. Schwörer

 

Insgesamt arbeiten mehr als 70 Kreative in der „Alten Schnapsfabrik“. Vielfältige Geschäftsfelder wie Marketing, Musikproduktion, Eventmanagement oder Fassaden-Projektion werden im Haus angeboten. Auch ein Zauberer ist dabei.

 

Zusätzlich zu den Unternehmen hat sich mittlerweile auch die „Brennerei next generation lab“ der Wirtschaftsförderung Bremen im Erdgeschoss angesiedelt. Deren Kernprojekt ist ein Stipendienprogramm für kreative Hochschulabsolventen: In einem Auswahlverfahren werden acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer auswählt, die sechs Monate lang an innovativen Lösungen für Aufgabenstellungen aus regionalen Unternehmen arbeiten.

 

„Ein Ort voller kreativer Umluft“

 

Thorsten Bauer, Kreativ-Direktor des international erfolgreichen Unternehmens Urbanscreen und Mit-Initiator des Vorhabens, sieht sich für die Mühen belohnt: „Kreativität ist nicht etwas, das man auf dem Reißbrett produzieren kann. Ein heterogen räumliches und soziales Umfeld ist die Brutstätte von klugen Ideen. Mit der Schnapsfabrik haben wir uns dieses Umfeld selbst erschaffen – ein Ort voller kreativer Umluft.“

 

Weitere Informationen: www.facebook.com/Schnapsfabrik

 

Update vom 08.10.2013

Wir haben einen Artikel über Stipendien in der Schnapsfabrik hinzugefügt

Letztes Update: 8. Oktober 2013

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