Artikel aus "Rest des Lebens"

FoPo: Bremer Gründer recyceln Lebensmittel

Allein hierzulande werfen Bauern, Großhändler und Supermärkte jährlich bis zu vier Millionen Tonnen Obst und Gemüse weg. Warum die Lebensmittel also nicht einfach recyceln? Das Bremer Start-up „FoPo“ (Food Powder) hatte genau diese Idee: Die Gründer sammeln aussortierte Früchte von Farmen aus Kenia, Israel und den Philippinen, um sie anschließend zu Pulver zu veredeln. „Unsere Lösung ist simpel“, sagt Gerald Perry Marin. „Wir kaufen das Obst, damit es nicht weggeschmissen wird.“

Wer einmal selbstkritisch das eigene Verhalten im Supermarkt unter die Lupe nimmt, merkt schnell, warum überhaupt so riesige Mengen Lebensmittel einfach in den Müll wandern: Sobald Apfel, Mango und Co. kleine Dellen haben oder nicht der gewohnten Optik entsprechen, greifen wir meist zu einem anderen Exemplar. Manchmal ist es auch nur das zu kurze Haltbarkeitsdatum, das uns davon abhält, ein bestimmtes Produkt zu kaufen. Doch die Lebensmittelverschwendung fängt nicht erst in Deutschland an: Große Teile der für die Lebensmittelindustrie hergestellten Nahrungsmittel werden in Entwicklungsländern produziert. Den Kleinbauern vor Ort mangelt es häufig an Wissen und Kühlmöglichkeiten, um die Nahrungsmittel richtig zu lagern und zu transportieren. Die Folge: ein Großteil der Lebensmittel wird einfach weggeschmissen und den Bauern entsteht ein hoher finanzieller Schaden.

Ein Beitrag zur Lebensmittelverschwendung

Gerald und Vita bei den Bauern

Als ich Gerald Perry Marin bei unserem Gespräch nach seiner Vision frage, sagt er, er wünsche sich eine Welt, in der kein Essen weggeworfen wird. Mit seinem Start-up wolle er seinen Teil dazubeitragen, die Lebensmittelverschwendung immerhin zu reduzieren. Die Gründer von „FoPo“ veredeln deshalb weggeschmissene Lebensmittel zu Früchtepulver. Die Jungunternehmer erhalten die aussortierten Mengen an Obst und Gemüse direkt von den Produzenten sowie von den Im- und Exporteuren. Noch vor Ort werden die Lebensmittel getrocknet, bevor sie dann nach Deutschland geliefert und verpackt werden. Marin erklärt, dass auf diese Weise bis zu 90 Prozent der Nährstoffe konserviert werden können. Das sogenannte „Food Powder“ der Gründer ist zwei Jahre haltbar und kann beispielsweise zum Kochen oder Backen verwendet werden. Zielgruppe seien ernährungsbewusste Menschen, „die etwas Schnelles, aber Gesundes brauchen“, erklärt Gerald Perry Marin.

FoPo-Gründer

Die Idee zu „FoPo“ kam den Gründern Vita Jarolimkova, Gerald Perry Marin und Adriana Balazy während ihres Studiums, als sie an einem Wettbewerb teilnahmen. Die Aufgabenstellung lautete: „Wie versorgen wir 2050 die Weltbevölkerung?“ Dort kamen die Absolventen des Studiengangs „Food Innovation and Product Design“ erstmals auf die Idee, Lebensmittel zu recyceln, die sonst in den Müll wandern. Marin berichtet, wie er selbst einige Farmen in Kenia besuchte und ihm erst dort das ganze Ausmaß klargeworden sei. Er sah, wie sehr die Kleinbauern unter den finanziellen Einbußen litten, die die aussortierten und weggeschmissenen Früchte verursachten.

Früchtepulver soll weltweit verkauft werden

Unterstützt wird das Start-up aus Bremen von der Initiative „Kraftwerk – City Accelerator“, ein lokales Förderprogramm der „swb“, das Gründer auf ihren Einstieg in den Markt vorbereitet. Seit zwei Jahren unterstützt der Energieversorger die hanseatische Startup-Szene und fördert Jungunterunternehmer. Zudem erhielten die Bremer Gründer für ihre Idee vergangenes Jahr den mit 15.000 Euro dotierten „Carrefour Food Waste Award“. Der Gewinn sowie die Teilnahme an dem „swb“-Förderprogramm boten den Gründern von „FoPo“ die Möglichkeit, ihre Ideen und Produkte von Bremen aus weiterzuentwickeln. Derzeit gibt es das Früchtepulver in den Geschmacksrichtungen Apfel, Banane, Olive, Mango, Ananas, Limette und Avocado. Erhältlich ist es sowohl online unter myfopo.com sowie in verschiedenen Edeka-Läden in Bremen. Das Olivenpulver, das sich vor allem zur Zubereitung von Dips eigne, sei das beliebteste Produkt, wie Gerald Perry Marin verrät. Bisher ist das Produkt neben dem Onlineshop vorerst nur im stationären Handel in Bremen vertreten. Ziel sei es jedoch, das Früchtepulver weltweit zu verkaufen, sagt Marin.

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Letztes Update: 18. September 2017

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