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BIBA: Studentische Hilfskräfte immer gefragt

Bernd Scholz-Reiter

Prof. Bernd Scholz-Reiter findest es "erschreckend, wie viele Studierende ihre Studienzeit dadurch verlängern, dass sie zu viele Praktika machen."

Das Bremer Institut für Produktion und Logistik (BIBA) hat in den vergangenen Jahren immer wieder international auf sich aufmerksam gemacht. Unter anderem wurde hier der erste Paketroboter entwickelt, der automatisch Lkws oder Container entlädt. „Das BIBA beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Gestaltung von Prozessen in Produktion und Logistik und auch mit der Automatisierung“, erklärt Geschäftsführer  Prof. Dr. Bernd Scholz-Reiter, der im Dezember zum neuen Rektor der Uni Bremen gewählt wurde. Im Interview mit Johannes D. Gutzmann erläutert er, welche Rolle Studierende für das BIBA spielen und welche Möglichkeiten sich ihnen dort bieten.

Johannes D. Gutzmann: Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie zurzeit, wie viele davon sind Studenten?

Prof. Dr. Bernd Scholz-Reiter: Am Institut sind über 200 Mitarbeiter in den beiden Forschungsbereichen von mir und von Professor Thoben beschäftigt. Davon sind etwa 80 studentischen Hilfskräfte, weil wir sehr viele Forschungsprojekte haben, die über Drittmittel finanziert werden und in denen wir Unterstützung für die Arbeiten benötigen.

Gutzmann: In welchen Bereichen suchen Sie Studenten für Aushilfs- oder Forschungstätigkeiten?

Scholz-Reiter: Die Fachausrichtungen sind breit gestreut, primär sind es natürlich Wirtschaftsingenieure und Produktionstechniker, Informatiker, Wirtschaftswissenschaftler, Elektrotechniker, aber wir haben auch oft Bedarf aus anderen Bereichen, also Kommunikations-, Sozial- und Medienwissenschaften zum Beispiel.

Gutzmann: Hat das Institut Kontakte oder Zweigstellen im Ausland? Wenn ja, welche Möglichkeiten bietet dies für die Mitarbeiter und Studenten?

Scholz-Reiter: Wir sind auf verschiedenen Ebenen mit dem Ausland verbunden. Zum einen weil ein Großteil unserer Projekte EU-Projekte sind, da gibt es immer Konsortien, in denen die überwiegende Zahl der Partner nicht aus Deutschland ist. Wir haben Forschungsprojekte und -beziehungen mit Brasilien an mehreren Standorten. Ganz gute Arbeitsbeziehungen haben wir auch mit der University of Wisconsin in Madison und mit der National University of Busan in Südkorea.

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter reisen häufig auch für längere Zeiträume in die Partnerinstitute im Ausland, für studentische Mitarbeiter ist das die Ausnahme.

Gutzmann: Was sind Ihre Erwartungen an Hochschul-Absolventen für den Einstieg als wissenschaftliche Mitarbeiter?

Scholz-Reiter: Die Projekte sind hier sehr unterschiedlich. Von der Grundlagenforschung bis zur Auftragsforschung nationaler und internationaler Art sind auch die Anforderungen sehr unterschiedlich. Wenn man in einem internationalen Projekt arbeiten will, wäre es schon gut, wenn man Englisch kann, bzw. die Sprache des Landes, mit dem man arbeitet. Auch die Reisebereitschaft ist dann wichtig. Doch auch perfekte Deutschkenntnisse sind notwendig.

Wir stellen nur in Ausnahmefällen Bachelorabsolventen ein, weil wir ein Forschungsinstitut sind und die freie und wissenschaftliche Arbeit im Masterstudium ein bisschen stärker ausgeprägt ist als im Bachelorstudium. Das ist die Regel, aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Gutzmann: Was können Sie Studenten als Tipps für das Studium mit auf den Weg geben? Z.B. was sollten sie auf jeden Fall lernen, ausprobieren?

Scholz-Reiter: Ich würde nach der eigenen Interessenlage die eine oder andere Lehrveranstaltung besuchen, die nicht zum eigentlichen Curriculum gehört. Ich würde mich auch international orientieren, über Praktika oder einzelne Fächer, über Projekte, an denen ich mitarbeiten kann. Es ist sinnvoll, neben dem Studium als studentischer Mitarbeiter zu arbeiten, weil das den Horizont – und das Portemonnaie – erweitert und weil sich viele Optionen dadurch ergeben, die man als normaler Student nicht hat.

Gutzmann: Was ist mit Praktika?

Scholz-Reiter: Praktika muss man auch machen, aber nur die, die vorgeschrieben sind. Ich würde also nicht ein halbes Jahr vor dem Ende des Studiums noch ein halbes Jahr  Praktikum machen, um meine Berufschancen zu erhöhen, nur weil die Stellenanzeigen es so wollen. Das halte ich für Unsinn, weil die meisten Studenten so gut sind, dass sie die speziellen Kenntnisse für den späteren Beruf nicht unbedingt bei einer anderen Firma im Praktikum vorher bekommen, sondern in einem normalen Beschäftigungsverhältnis in der Industrie kriegen.

Ich halte für gerechtfertigt, dass die Erfahrungen, die sie in der Industrie für die Industrie sammeln, auch von der Industrie bezahlt werden. Stellen sie sich vor, sie arbeiten ein halbes Jahr als Praktikant für 400 Euro und ein halbes Jahr später haben sie ihre Masterarbeit geschrieben und können damit plötzlich 4000 Euro im Monat verdienen. Ihre Erfahrungen und die Arbeit sind fast die gleichen. Ich finde es manchmal erschreckend, wie viele Studierende ihre Studienzeit dadurch verlängern, dass sie zu viele Praktika machen.

Weitere Informationen:
BIBA: www.biba.uni-bremen.de
Prof. Bernd Scholz-Reiter: www.competence-site.de/Bernd-Scholz-Reiter

Foto: Johannes D. Gutzmann

Letztes Update: 6. April 2012

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